Bericht 2013

Winterbauhütte 2013, Der Größenwahn geht um…
„Nicht reden – arbeiten“ (Die maßgebliche Bauleitung)

Ein Gespenst geht um auf der Ludwigstein. Und das Gespenst ist pink, flauschig, abgrundtief lieb und hört auf den schönen Namen Größenwahn. Wer es nicht glaubt, wird schon sehen…

Größenwahn aber mit Größenwahnsinnig gleichzusetzen wäre unfair gegenüber den Planern der Winterbauhütte. Zwar war die ein oder andere Baustelle etwas ausführlicher gedacht und geplant, als sie es es schließlich wurde, aber im großen und ganzen waren die angedachten Aufgaben zu bewältigen und wurden auch tatsächlich mit Bravour gemeistert. Bei dem Begriff sollte ich auch kurz verweilen, nämlich bei all den Meistern und Technikern aus dem Bauhüttenkreis und ihrem nie ermüdenden Einsatz in Planung und Durchführung aller Baumaßnahmen. Viele von ihnen (und auch einige Andere) werden in diesem Bericht dann auch noch zu Wort kommen.

Das Motto, das ich diesem Bericht vorangestellt habe, prägte auch meinen ersten Eindruck. Die Anweisungen und Einweisungen waren knapp und präzise, die notwendigen Besprechungen zwischendurch zielorientier und auf das Notwendige begrenzt. Hier wurde in der Tat mehr gearbeitet als über das Arbeiten geredet! Das unvorsichtige Vorhaben einen Bericht über die Winterbauhütte zu schreiben, mit Bedacht nenne ich es nicht größenwahnsinnig, steht für mich unter dem Stern der ständigen und notwendigen Entschuldigung bei allen, denen ich ob der immensen geleisteten Arbeit nicht im Mindesten gerecht werden kann. Das Problem der Auswahl war demzufolge auch nicht zufriedenstellend zu lösen sein.

„Oh! Anja ist da, es gibt Grünkohl heute Abend.“ „Nein, nein! Noch gibt es nichts zu essen, erst wird mal ordentlich malocht", wie es im Ruhrgebiet so schön heißt. Oder doch nicht? Nimmt man den Freitagabend nämlich in den Bericht mit hinein, dann gab es zur Begrüßung erst einmal ein reichhaltiges Abendessen und dazu die übliche Wiedersehensfreude und Begrüßungsrituale. Diese Winterbauhütte war wieder einmal eine richtig große und mal wieder eine bei der die Arbeit in der Kernburg im Vordergrund stand. Selmar meinte dann auch in der Schlussrunde, dass die Bauhütte der Burg „richtig gut getan hat“. In aller Kürze ein paar Zahlen: ca. 160 TeilnehmerInnen, mindestens 23 Baustellen, die sich grob einteilen lassen in Arbeiten mit und an Holz und Stein, Malerarbeiten, Elektroarbeiten, Betonierungsarbeiten am Pumpenschacht neben dem Enno, Dämmungsarbeiten am Dach des Landgrafenflügels, einer Abbruchbaustelle sowie diversen Ausbesserungsarbeiten. Der Blick ins Bauhütten-Detail vermag viel zu zeigen. Insbesondere die Liebe der Meisten zum Detail, zur Präzision und zum handwerklichen Können. Und dies völlig unabhängig von der konkreten Aufgabe oder der handwerklichen Vorbildung. Selbst gröbere Klötze und Keile werden dann mit Sorgfalt eingeschlagen und geführt. Anfangen möchte ich bei meinem Rundgang durch die Burg mit dem Blick auf die kleinen aber wichtigen Alltagsarbeiten. Diese Baustellen – eigentlich eher Wanderbaustellen – reparierten verzogene Fenster, verfugten die Bäder wo nötig mit Silikon neu und räumten Baustellen frei, damit gearbeitet werden konnte.

„Das Uringelb muss hier überall verschwinden.“ (Meike P.)
Und von diesem Gelb gibt es noch viel auf der Burg zu überstreichen, meist mit „einer Farbe nach Art „Savanne 15“ und weiteren farbigen Akzenten sowie dem Auftragen von Bordüren. Diese sollen übrigens nicht nur zur Zier aufgebracht werden, sondern auch dafür sorgen, dass sorgsamer mit den Flächen von den Gästen umgegangen wird. Erste Erfahrungen scheinen diesen positiven und kostensparenden Nebeneffekt zu bestätigen. Gestrichen wurden mehrere Zimmer im Obergeschoss des Seitenbaus, das Treppenhaus und Flure im Mittelbau und vor dem Meißnersaal, die Klönecke und an einigen kleineren Stellen als Ausbesserung. Dabei musste auch das eine oder andere Loch im Putz zugespachtelt werden.

Papagena (Unterstreichbaustellenleiterin): „10€ auf Rot“ [Antwort auf meine Bitte um „Ein(en) Satz über die Winterbauhütte]"
Aus organisatorischer Sichtweise neu war, die Malbaustellen in kleinere Einheiten zu zerlegen und unter anderen den bauerfahrenen Papagena und Alpi verantwortlich zuzuordnen. Dies erwies sich als eine immense Entlastung für Meike und Dirk, die sich so um grundsätzlichere Fragen und größere Probleme kümmern konnten. Trotzdem würde es die Stiftung finanziell ruinieren, wenn man Dirk und Meike nach Kilometergeld und Höhenmetern bezahlen müsste. Und grundsätzlich wurde es im Raum 404, bei dem der alte Putz komplett entfernt und nun neu unter Theresas Leitung aufgebracht wurde. Aber ob Putz und Farbe wirklich so schnell trocknen konnten, wie die ersten Gäste den Raum neu beziehen sollten, kann ich heute nicht beantworten. Zusammenfassen möchte ich die Arbeiten auf den Streichbaustellen ohne Kommentar mit folgenden Worten: „Professionell organisiertes Chaos und Improvisation auf höchstem Niveau mit exorbitanter Motivation aller Beteiligten“ Alpi (Unterstreichbaustellenleiterin)

Klaus P. (Chef-Strippenzieher): „Jetzt fluppt es! Erst ging alles ein wenig zäh, aber jetzt läuft alles bestens.“
Wenn man Klaus zuhört, gibt es keine Probleme und auch nur ein immer hoch motiviertes Team, das diesmal für die Erleuchtung zuständig war. Erleuchtung sollte es diesmal vor allem im Enno-Keller geben und da die Räume in Teilen richtig voll standen musste erst einmal Platz geschaffen werde, um die Leuchtstoffröhren anbringen zu können. Und so wurden gefühlten Tonnen an Holz, Betten, Schränken und Ähnlichem von einem Trupp vorwiegend junger Damen umgeräumt, während zeitgleich die Leuchten montiert wurden. Außerdem gab es noch Erneuerungen in der Beleuchtung des Schneehagenzimmers sowie einige weitere kleine und größere Elektroarbeiten in der Burg selbst. Gleich neben dem Enno hatten Gunthart und sein Beton-Team (diesmal ohne Beton-tolu, der durfte vor allem die Räume der Burg vermessen, um beispielsweise Farbbedarfe in der Zukunft besser planen zu können) mit dem windigen und nasskalten Wetter zu kämpfen. Aber auch hier wurde der Kampf gewonnen. Ein Zuleitungsgraben ist gebuddelt und der Schacht bzw. der Deckel betoniert.

Nicole (Burgbüroleiterin im Exil): „Ich bewundere jedes Jahr aufs Neue, wie aus dem kreativen Chaos so tolle Ergebnisse entstehen.“ „Ich freue mich richtig auf den neuen schönen Fußboden im Burgbüro“
Längst nicht alle Ziele konnten erreicht werden, aber es wurde viel geschafft und Qualität und Quantität stimmten. Und auch das Burgbüro hat jetzt wieder einen repräsentativen Fußboden und den richtigen „Schliff“. Fast zum Schluss möchte ich aber den großen Dank und das große Lob auffangen, das vom Bauhüttenkreis und Selmar als BBL an die Bauleute ausgesprochen wurde, selbst das Aufräumen klappte fast reibungslos. Ein dickes Brett wurde auch im Landgrafenflügel gebohrt, besser gesagt zunächst gemeißelt. Ein altes – seit Jahren nicht mehr genutztes Bad im Ziviflur wurde völlig entkernt und wird nun neu wieder aufgebaut werden. Unterm Dach wird jetzt eine neue Dämmung angebracht, ein wichtiger weiterer Baustein um die energetische Effizienz des alten Gemäuers ein wenig zu verbessern. Dazu musste aber erst mal aufgeräumt werden. Nein, nicht der Ziviflur, sondern der Dachboden, der voll von alten Dohlennestern war.

Kathie L. „Winterbauhütte – immer gut für eine Überraschung!?“
Nun ja, dass die Bauleute auch die feine Nadel schwingen können, ist keine Überraschung mehr. Und so durfte Kathie nach getaner Malerarbeit in der Klönecke diese zur Schneiderwerkstatt umfunktionieren und aus alten Kohtenbahnen haltbare Kissen nähen. Diese wurden anschließend liebevoll mit jugendbewegten Motiven und Liedzeilen verziert und können jetzt in der immer gemütlicher werdenden Klönecke bewundert werden.

„Grünkohl! Langsam wird es zur Tradition“ (Anja F.)
Unser letzter Dank geht an die Küchencrew die mit viel Einsatz und Hingabe fast rund um die Uhr für unser leckeres und reichhaltiges leibliche Wohl sorgte. Ob Abendbrot am Freitag, das Frühstück am Samstag oder auch die warme Mittagssuppe mit dem sensationell guten Nachtisch und als Höhepunkt schließlich das Grünkohlessen am Abend. Alles war superlecker zubereitet, mehr als genug für Alle und perfekt organisiert. Zum Frühstück noch einmal Sven S. : „Das muss ein guter Kaffee sein, nicht so ein fieses Hochlandgewächs.“ Zum Schluss möchte ich dann auch den Chef zu Wort kommen lassen, dessen Worte trotz einer gelungenen Bauhütte nichts hinzuzufügen ist, oder doch…? „Ich freue mich auf Montag-Morgen…“ (Selmar am Samstag)

Ein „Schmankerln“ noch zum Schluss, das ich Euch nicht vorenthalten möchte und das ein interessantes Licht auf die Schlafsituation bei einer Bauhütte wirft: Katja: „Ich hatte ein Doppelbett!“ Frage: Wo gibt es denn hier Doppelbetten? „Wenn ich das verrate, wollen alle eins haben“ Hmhh…nein, investigativer Journalismus erscheint mir hier nicht angebracht, also lasse ich es lieber … Ach ja, der Größenwahn, den habe ich zumindest auch nicht mehr gesehen …bis zur nächsten Bauhütte dann. Wir sehen uns im Sommer!

Christian

Bilder zur Winterbauhütte 2013 folgen demnächst.